CLADOLE

Religionsgeschichtliche Studien - Band III

Arno Herzig

Das Interesse an den Juden in der Frühen Neuzeit
Studien zur Kontinuität und zum Wandel des Judenbildes

broché, 17 x 24 cm, allemand, 112 pages, 15 images, ISBN 3-934-632-46-7, EAN 9783934632462, 28,80 €

Mit der Frühen Neuzeit endeten zwar die Judenpogrome des Mittelalters, doch blieben die Juden weiterhin Außenseiter der Gesellschaft. Im theologischen Bereich hatte die Reformation keine Wende gebracht. Die katholische Kirche tradierte durch Kultstätten und Legenden die mittelalterlichen Gräuellegenden von Hostienfrevel und Ritualmord. In den reformatorischen Kirchen spielte die angebliche Lästerung des Christentums durch das Judentum eine wichtige Rolle und wirkte damit auch in den politischen Raum hinein.

Auch die deutschen Humanisten trugen nicht zu einer Humanisierung der Haltung gegenüber den Juden bei. Allerdings entwickelte Johannes Reuchlin mit seiner Sentenz von den Juden als  concives  (Mitbürger) des Römischen Reiches eine leidliche Rechtsbasis, die durch das Wirken des wohl bedeutendsten Vertreters des frühneuzeitlichen Judentums, Josef von Rosheim, auch Kaiser Karl V. durch seine Privilegien anerkannte. Von den wenigen Reichsstädten abgesehen hatte der Kaiser kaum noch ein Verfügungsrecht über die Juden im Reich. Dies lag bei den Territorialherren, die durch Judenverordnungen das Leben der Juden in ihren Staaten zu regeln versuchten. Ihre Judenpolitik bestimmten weitgehend ökonomische Interessen.

Mit der Verdrängung der Juden aus den Städten hatten diese mit dem Zusammenschluss der Landgemeinden  in den Grenzen der kleinen Territorialstaaten eine neue Organisationsform entwickelt. Auf den sogenannten Judenlandtagen regelten sie – vielfach unter staatlicher Aufsicht – ihre Angelegenheiten, u.a. die Aufteilung der an den Landesherrn abgeführten Schutzgelder.

Ein Interesse am Judentum existierte auch unter den Hebraisten und Theologen, wie die Bibliotheken mit jüdischem Schriftgut bzw. die Darstellungen konvertierter Juden zeigen.

Seit dem 30jährigen Krieg erfolgte unter den Juden eine starke soziale Differenzierung. Es gab im 18. Jahrhundert eine kleine finanzkräftige Oberschicht, die Hofagenten, eine Mittelschicht, die das Leben in den Gemeinden bestimmte und eine immer größer werdende Unterschicht, die vielfach ins Betteljudentum absank. Die rasant ansteigende soziale Not der Judenschaft führte in der Politik des Aufklärungszeitalters zu ersten Integrationsvorschlägen, deren Umsetzung allerdings fast 100 Jahre benötigte.

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